Fakten und Einschätzungen zur Wohnungsbaupolitik.

In unserer letzten Zeitung haben wir bezüglich der Wohnungsbaupolitik der Koalition LSAP-déi gréng folgenden Faktencheck veröffentlicht:

Faktencheck: Keine verantwortliche Wohnungspolitik, weder heute, noch morgen.

Entgegen dem was in den letzten Monaten von der Koalitionsmehrheit verkündet wurde, ist unsere Gemeinde beim Wohnungsbau überhaupt nicht vorbildlich. Die letzten verfügbaren Zahlen sprechen Bände: 2014 in der Gemeinde gab es 33 öffentliche Mietwohnungen, was 2,19 Wohnungen pro 1000 EinwohnerInnen entspricht. Nur eine Südgemeinde steht schlechter da. Die Antwort des Schöffenrates auf eine Frage von déi Lénk (29. Mai 2017) bestätigt diese traurige Bilanz nach 12 Jahren LSAP-déi gréng. Auch in Zukunft soll sich daran nicht viel ändern. Laut règlement grand-ducal (Juli 2017) hat unsere Gemeinde für die nächsten Jahre nur staatliche Subventionen für 21 Mietwohnungen angefragt. Bei 14 dieser Wohnheiten handelt es sich laut Angaben des Schöffenrates um Neubauten. Vor dem Hintergrund des großen Bedarfs an Mietwohnraum in Luxemburg, ist diese Politik unserer Gemeinde ungenügend.

Die Zahlenangaben sind aus folgenden Dokumenten entnommen:

33 öffentliche Mietwohnungen in der Gemeinde bzw. 2,19 öffentliche Mietwohnungen pro 1000 EinwohnerInnen: http://www.prosud.lu/documents/download/113/logement—indices-sud-3 (Seite 5)
Die Situation ist heute quasi unverändert: http://suessem.dei-lenk.lu/wp-content/uploads/sites/10/2017/06/REPONSE-QUESTIONS-DEI-LENK-CC-DU-29.5.2017.pdf (zählt man nach, kommt man auf 35 Mietwohnungen, 10 kommunale und 25 vom Fonds du Logement)
Subventionen für nur 21 Mietwohnungen angefragt: http://legilux.public.lu/eli/etat/leg/rgd/2017/07/08/a655/jo

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Bereits im Mai haben déi Lénk den Schöffenrat um eine Aufstellung aller öffentlichen Wohnungen und Projekte in der Gemeinde gebeten. Der folgende Text enthält Einschätzungen und einige Richtigstellungen der Angaben, die wir vom Schöffenrat erhalten haben (Frage und Antwort stehen weiter un):

Auf meine Frage bezüglich des sozialen Wohnungsbaus in unserer Gemeinde (siehe weiter unten) antwortet Bürgermeister Georges Engel teilweise am eigentlichen Problem vorbei und zudem vermischt er verschiedene wichtige Aspekte.

In meiner Frage wurde bewusst unterschieden zwischen einerseits den Anstrengungen der Gemeinde in Sachen Wohnungsbau und andererseits den Projekten der öffentlichen Bauträger Fonds du Logement und SNHBM. Letztere bekommen ihre Richtlinien und Aufträge vom Wohnungsbauministerium und werden auch über den Staatshaushalt und andere öffentliche Finanzquellen finanziert (nur bei der SNHBM sind die 4 größten Gemeinden im Kapital vertreten, die Gemeinde Suessem jedoch nicht). Das Projekt Geesserwee zum Beispiel wird auf einem Grundstück realisiert, das sich zu 100% im Besitz des öffentlichen Promotors SNHBM befindet, nachdem die Gemeinde ihren Grundbesitz auf diesem Areal (2/3 der Gesamtfläche) an letztere abgetreten hatte. Die Unterkünfte für Geflüchtete werden im früheren Altersheim eingerichtet, welches die Gemeinde an den Fonds du Logement abgetreten hat. 

Die Gemeinde spielt also bei all diesen Projekten (SNHBM oder Fonds du Logement) eine untergeordnete Rolle. Sie erteilt zwar die Genehmigungen, doch mit der Ausarbeitung und der Finanzierung hat sie wenig bis gar nichts zu tun. 

Die 11 von Bürgermeister Georges Engel angeführten Wohnungs- und Hauskäufe durch die Gemeinde (für die die Gemeinde auch Zuschüsse vom Wohnungsbauministerium erhalten hat -> Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von déi Lénk) sind ein vorsichtiger Schritt in die richtige Richtung, doch auch hier muss die Frage erlaubt sein, inwiefern mit dem Kauf schon bestehender Wohnflächen die Wohnungsnot behoben werden kann. Es steht außer Frage, dass der Kauf bestehender Wohnräume ein Bestandteil einer wirksamen kommunalen Wohnpolitik sein kann, doch eben nur einer von vielen. Wenn die Gemeinde nicht selber baut, bleibt der Kauf einiger weniger Häuser und Wohnungen vor dem Hintergrund des rasanten Preisanstiegs auf dem Wohnungsmarkt ein Tropfen auf den heißen Stein.

Bezüglich des Projektes Taupeschwiss in Sanem muss unterstrichen werden, dass keine einzige Mietwohnung vorgesehen ist und auch die Gemeinde hier keine einzige Wohnung selber baut (im Gegensatz zu dem, was Bürgermeister Engel in seiner Antwort behauptet). Von den 17 zur Verfügung stehenden Bauflächen, werden 6 an Private verkauft und die 11 verbleibenden mithilfe einer Emphyteose an Familien verpachtet, welche dann dort ihr Eigenheim bauen können. déi Lénk unterstützen dieses Instrument, bemängeln jedoch, dass hier überhaupt keine Mietwohnungen vorgesehen wurden. Wir geben in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass die Investition in ein Eigenheim in Höhe von 450.000-500.000€ (ohne Grundstückkosten) für sehr viele Menschen nicht zu finanzieren ist. déi Lénk haben auch in der vom Bürgermeister erwähnten Arbeitsgruppe darauf hingewiesen. Nachdem diese Bedenken jedoch ohne wirkliche Debatte vom Tisch gewischt worden sind (und die Berichte der Kommissionen ohnehin nie die kontroversen politischen Debatten wiederspiegeln), haben déi Lénk entschieden, die Frage zum sozialen (Miet)Wohnungsbau an den Schöffenrat zu stellen. 

Zudem handelt es sich bei Arbeitsgruppen mit VertreterInnen der Parteien (und teilweise aus der Zivilgesellschaft) nicht um geheime Treffen.

Patrizia Arendt, Gemeinderätin

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Fro un de Schäfferot (29. Mee 2017) – Zu Suessem op der Taupeschwiss realiséiert d’Gemeng momentan e Projet fir 17 Eefamilljenhaiser vun deenen der 11 e soziale Charakter sollen hunn. Bei dësen 11 Haiser stellt d’Gemeng, där dësen Terrain gehéiert, den Interessenten de Bauterrain via emphytéose zur Verfügung fir op dem Wee d’Terrainskäschte beim Bau ze neutraliséieren. Déi 6 verbleiwend Lots gi fir de Maartpräis verkaf. Eng Reih Critère sollen d’Selektioun vun de Kandidaten erméiglechen. Als sozial Critère ass fir d’emphytéose festgeluecht, dass d’Interessenten eligibel fir d’Bauprimm sinn an och de Salaire ging gekuckt ginn.

Nieft dësem Projet, dee vun der Gemeng selwer realiséiert gëtt, befannen sech aktuell zwee an der Planung: De Fonds du Logement sanéiert dat fréiert Altersheim zu Zolwer, wou bis 2020 133 Studentewunnenge sollen entstoen an zu Bieles realiséiert d’SNHBM de Projet “Geesserwee” wou 93 Eefamilljenhaiser an 90 Appartementer solle gebaut ginn. D’Zuel vun ëffentlechen an abordabele Wunnenge wäert an e puer Joer also e Stéck klammen, mee dat awer virun allem opgrond vun der SNHBM an dem FdL.

D’Gemeng selwer ass bis elo wéineg bis guer net am Wunnengsbau aktiv gewiescht, wat sech och doduerch weist, dass eis Gemeng mat nëmmen 2,19% den zweetdéifsten Undeel u Sozialwunnengen aus der ganzer Südregioun huet (Prosud 2014). Donieft beinhalten d’Projet’en, déi aktuell an Ausaarbechtung sinn a wann een de spezielle Fall vun de Studentewunnengen net mat consideréiert, an éischter Linn Wunnenge fir de Verkaf. Dobäi ass et awer sou, dass et grad bei de Mietwunnengen e ganz grousse Bedarf gëtt – mir hunn grad emol 16 % Mietwunnengen – an also och d’Gemeng Suessem hei an der Verantwortung steet. Dofir wollt ech folgend Froe stellen:

1)     Wéi vill Gemengewunnengen (logements de service ausgeholl) ginn et zur Zäit an eiser Gemeng? Wou befannen sech déi Wunnengen? Wéi een taux d’occupation gëtt et zur Zäit bei dëse Wunnengen? Wéi eng Grënn ginn et fir eventuell eidel stoend Gemengewunnengen?

2)     Wéi vill Wunnenge ginn et do dernieft aktuell an der Gemeng, déi vum Fonds du Logement respektiv der SNHBM gebaut an dono verkaf respektiv verlount gi sinn? Wou befannen sech déi Wunnengen?

3)     Wéien Undeel vun de Wunnengen am Projet “Geesserwee” vun der SNHBM si fir d’Lokatioun virgesinn?

4)     Kann d’Gemeng déi eidel stoend Privatwunnengen an der Gemeng ongeféier chiffréieren (opgrond vum Waasserverbrauch, dem Ufale vun Offall oder vun der Umeldung um Populatiounsbüro…)?

Patrizia Arendt,
déi Lénk

Äntwert vum Schäfferot.

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